SHM – Das Sherlock Holmes Magazin – Nr. 69 (Besprechung)

Sherlock Holmes ist mir seit frühster Kindheit ein Begriff. Zunächst vor allem durch Anspielungen in diversen Kinderserien und speziell durch Disneys wunderbare Hommage „Basil – Der große Mäusedetektiv“. Den eigentlichen Werkkanon las ich zum ersten Mal als Dreizehnjähriger gegen Ende der Neunziger – er zählt zu meiner ersten „Erwachsenenliteratur“. Daraus entwickelte sich ein nicht unbedingt intensives, aber beständiges Interesse an Sir Arthur Conan Doyles faszinierender Schöpfung: Ich folgte Holmes in Pastiches von Nicholas Meyer, Oliver Hoffmann oder Anthony Horowitz, und in zahlreichen Verfilmungen – sei es in der Verkörperung durch Benedict Cumberbatch über Christopher Plummer und Ian McKellen bis hin zu (natürlich!) Jeremy Brett. Einen vorläufigen Höhepunkt meiner Holmes-Begeisterung bildete die gemeinsam mit Sarah Lutter herausgegebene Anthologie En Passant – Die Reisen des Sherlock Holmes. Im Zuge der Zusammenstellung lernte ich auch Jens Arne Klingsöhr kennen, der für besagte Anthologie die hervorragende Kurzgeschichte „Das verschwundene Portemonnaie“ beisteuerte.

Klingsöhr gibt seit 2009 das „Sherlock Holmes Magazin“, kurz SHM, heraus. Die vierteljährlich erscheinende und ausgesprochen schön aufgemachte Zeitschrift bietet mit ihren stets 32 Seiten einen angenehm überschaubaren Umfang – genau die richtige Länge, um immer wieder gerne für ein oder zwei Stunden in die Welt des Meisterdetektivs einzutauchen. Es ist längst überfällig, das „Sherlock Holmes Magazin“ einmal ausführlicher vorzustellen. Was lag näher, als sich dafür die frisch erschienene Ausgabe 69 (Herbst 2026) vorzunehmen?

Den Auftakt bildet Jens Arne Klingsöhrs Vorstellung der neuen Serie „Young Sherlock“ (2026). Nach einem kurzen Überblick über die Handlung führt er die Leserinnen und Leser in einem Episodenführer durch die acht Folgen der ersten Staffel. Es bleibt nicht bei einer bloßen Inhaltsangabe: Klingsöhr ordnet die Serie kundig in den Holmes-Kosmos ein, arbeitet ihre Stärken heraus und weist zugleich auf die teils deutlichen Beugungen des Kanons und den Unterschieden zu den Romanvorlagen von Andrew Lane hin. So entsteht ein ausgewogenes Bild der Serie, das sowohl Neueinsteigern als auch eingefleischten Holmes-Fans Orientierung bietet. Abgerundet wird der Beitrag durch die Vorstellung der beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler.

Mit „Camera Obscura“ von Camilla Grüner folgt eine vierseitige Pastiche, in der Sherlock Holmes mit dem Übernatürlichen konfrontiert wird. Wenige Tage, nachdem eine Kamera ein Bild geschossen hat, sterben die darauf abgelichteten Personen eines rätselhaften Todes. Die Geschichte ist im klassischen Stil gehalten, endet auf ein spannende Note und fügt sich trotz der Thematik stimmungsvoll in den Holmes-Kosmos ein.

Traian Suttles Beiträge liefern mir meist einen guten Grund, zu Doyles Kanon zurückzukehren, widmen sie sich doch regelmäßig einer der 60 Originalgeschichten. In „Ein kleines, beschauliches Nachbaruniversum“ richtet Suttles den Blick dieses Mal jedoch auf die „Ulysses Price Middlebie“-Romane von Arthur Porges. Wie die ebenso informative wie unterhaltsame Vorstellung zeigt, sind diese Geschichten merklich von den Sherlock-Holmes-Erzählungen geprägt, besitzen dabei aber durchaus eigenständige Qualitäten. Ein weiterer Vermerk auf der „Sollte ich mal lesen“-Liste ist jedenfalls gesetzt.

Und es soll nicht die letzte Notiz für den Merkzettel bleiben. Auf den letzten zehn Seiten stellen Jens Arne Klingsöhr, Thomas Harbach, Kurt Nikolaus und Oliver Naujoks neue bzw. neu aufgelegte Romane, Comics und Hörspiele vor. Besonders die Graphic Novel „Sherlock Holmes gegen Arséne Lupin“ sowie „Das Geheimnis der jungen Witwe“, der erste Band einer inoffiziellen Heftromanserie aus dem frühen 20. Jahrhundert, wecken mein Interesse – auch wenn beide Veröffentlichungen nicht unbedingt ein kanontreues Lesevergnügen darstellen dürften.

Fazit

Die 69. Ausgabe unterstreicht, was das SHM als Magazin auszeichnet: Eine abwechslungsreiche Zusammenstellung, durchweg lesenswerte Beiträge und eine optisch ansprechende Gestaltung. Die 32 Seiten laden dazu ein, sich für ein, zwei Stunden ganz der Welt des Meisterdetektivs zu widmen.

Infos

Sarah Lutter führte für ihren Blog mit Jens Arne Klingsöhr ein lesenswertes Interview.

Das SHM kann einzeln oder im Abonnement über die Webseite des Magazins bezogen werden. Der Einzelpreis beträgt 4,90 € zzgl. Versandkosten.