Die letzte Melderin – Interview mit Michael G. Spitzer

Mit „Die Nachfolge“ ist im September 2018 der beeindruckende Auftakt der dystopischen Trilogie „Die letzte Melderin“ im Hybrid Verlag erschienen. Im Interview ‚meldet‘ sich der Autor Michael G. Spitzer selbst zu Wort.

Erzähle uns, was die Leser in „Die letzte Melderin – I. Die Nachfolge“ erwartet

„Die letzte Melderin“ erzählt die Geschichte der 17/18-jährigen Danielle „Dan“ Berg. Sie wächst in einer durch ein Kraftfeld gesicherten Kleinstadt, genannt „die Siedlung“ auf. Kurz vor ihrem 18. Geburtstag kommt sie in die Ausbildung bei dem Ratsmitglied Gregor Tully und erfährt Dinge über die Gesellschaft, die den Meisten verborgen bleiben.

Die Story beginnt unmittelbar vor Danielles Zwischenprüfung der Ausbildung. Den Leser erwartet eine Dystopie, die bei „normalem“ Verlauf auch eine Utopie sein könnte. Die Geschichte beginnt direkt in der Handlung. Auf eine Beschreibung der Siedlung, der Menschen und den Gesetzen wird zunächst verzichtet. Alles wird im Handlungsverlauf erklärt. Sie zeigt auf, zu was Fehler aus der Vergangenheit führen können, wenn man sie erneut begeht und nicht auf die vergangenen Ereignisse zurückschaut.

„Dan“ findet sich jedoch nicht mit dem was kommt ab: Sie hinterfragt und stemmt sich gegen die Ereignisse, wodurch sie ein hohes Risiko für ihr Leben eingeht.

Den Lesern welcher anderen Autoren oder welcher anderen Romane würdest du dein Buch ans Herz legen? Wer sind deine literarischen Vorbilder? Welche Bücher zählen zu deinen All-Time-Favorites?

Mit „Die letzte Melderin“ habe ich eine Dystopie im Young Adult-Bereich geschrieben. Sie ist also für alle geeignet, die diese Genres gerne mögen. Auch sind kleine Elemente eines Thrillers vorhanden. Dabei habe ich Wert auf Parallelen zur heutigen Zeit gelegt, wodurch alle Altersgruppen angesprochen werden.

Demnach ist es ein Buch, was sowohl den Liebhabern von „Die Tribute von Panem“, „Logans run“ (Flucht ins 23. Jahrhundert) oder der „5. Welle“ gefallen könnte, als auch Lesern von Frank Schätzings „Der Schwarm“ oder Michael Crightons „Jurassic Park“.

„Der Schwarm“ gehört übrigens zusammen mit Dan Browns „DaVinci Code“ und Tolkiens „Herr der Ringe“ zu meinen All-Time-Favorites.

Direkte Vorbilder habe ich nicht, denn dies würde schnell dazu führen, sie kopieren zu wollen, und das will ich nicht. Ich möchte meinen eigenen Schreibstil entwickeln, bei welchem der Leser direkt sagt „Ja, das ist ein Michael G. Spitzer“. Allerdings bin ich davon noch sehr weit entfernt.

Auf die Frage ‚Wie kamst du zum Schreiben?‘ antworten Autor*innen meistens damit, dass sie schon immer Geschichten zusammengesponnen haben. Dein Weg ist etwas ungewöhnlicher. Möchtest du uns erzählen, wie das, was „Die letzte Melderin“-Trilogie wurde, entstanden ist?

*lach* Ja, diese Story ist schon etwas anders, obwohl sie eigentlich ein Klischee erfüllt: Die Flucht aus der Realität.

Auch ich habe immer wieder daran gedacht, mal eine Geschichte „zu Papier“ zu bringen (Ja, mit Schreibmaschine und alldem altmodischen Zeug). In die Tat umgesetzt habe ich es aber nie.

Im Jahr 2015 hatte ich jedoch sowohl im privaten (nicht familiären), als auch im beruflichen Umfeld einen enorm erhöhten Stresspegel. Das Ganze schlug sich auf meine Laune nieder, was mit der Zeit leider auch meine Familie zu spüren bekam. Meine Frau zeigte mir die „gelbe Karte“, indem sie mich offen darauf ansprach und eine Änderung forderte. Erschrocken stellte ich fest, dass sie Recht hatte. Einige meiner privaten Engagements wurden durch mich eingestellt, was im Beruf leider nicht möglich war. Dazu entschloss ich mich, mir ein Hobby zu suchen, welches mich ablenkt, doch nicht von meiner Familie entfernt. Zwei oder drei Tage später kam mir die Idee und ich sagte zu meiner Frau, dass ich eine Geschichte schreiben werde. Ich erwartete schallendes Gelächter, denn sowas war sie von mir nun gar nicht gewohnt, doch es kam „nur“ ein „Klasse Idee, mach!“

Am 26.07.2015 erblickte Danielle Berg dann das Licht der Welt. Sie sollte eigentlich nur in einem Kapitel vorkommen, denn ich ersann 7 Regeln, welche, wenn man sie wörtlich nimmt und einhält, alle Gesetze dieser Welt ersetzen könnten. Sie sollten jede für sich ein eigenes Kapitel bekommen und Danielle ein Opfer eines Regelbruchs werden. Wie es aber so ist (und hier das nächste Klischee *grins*), klopfte mir „Dan“ plötzlich von hinten auf die Schulter und sagte zu mir „Nee, so war das nicht. Schreib mal mit, ich erzähle dir die Geschichte.“

Nur wenige Monate später waren knapp 1.200 Seiten geschrieben und die Rohfassung der „letzten Melderin“ fertig. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich jedoch nicht, daraus ein Buch werden zu lassen. Erst meine Frau kam auf diese Idee, nachdem sie alles gelesen hatte und meinte, dass ich die Geschichte durch Drei teilen und mit Überschriften versehen sollte. Die Idee war geboren.

Als große Stärke des Romans empfinde ich die Hauptfigur Danielle, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Wann nahm dieser Charakter Gestalt an und ist sie von einem realen Vorbild inspiriert?

Ups, da habe ich die halbe Antwort schon eine Frage früher gegeben *lach*

Wie gesagt, war „Dan“ zunächst nur als großer Nebencharakter für das erste Kapitel einer völlig anders verlaufenden Geschichte gedacht. Ich muss dazu sagen, dass ich nicht plotte. Meine Geschichten entstehen aus dem Schreiben heraus und so entwickelte sich die Figur Danielle Berg nach und nach.

Ein reales Vorbild hat sie eigentlich nicht, doch es gibt keinen Charakter in einem Roman, welcher nicht irgendeine Eigenschaft oder Gewohnheit hat, die der Autor aus seinem Umfeld kennt. Egal, ob positiv oder negativ. Von daher schließe ich nicht aus, dass eine mir bekannte Person mit in „Dan“ eingeflossen ist. Beabsichtigt wäre dies aber nicht gewesen.

Möchtest du uns einen kleinen Vorgeschmack geben, was uns in Band 2 erwartet?

Eieiei, wie kann ich das beschreiben, ohne zu spoilern *kopfkratz*? Okay, ich versuche es mal:

Danielle kommt in Band 1 einigen für sie unfassbaren Machenschaften auf die Spur. In Band zwei erfährt sie die Ausmaße der Ereignisse und erkennt, wer für alles verantwortlich ist. Die Gefahr für ihr Leben wird dadurch nur größer, da sie nicht weiß, wem sie es anvertrauen kann, um allem Einhalt zu gebieten, und sie zu schützen. Gleichzeitig stellen sich neue Charaktere an ihre Seite, mit denen man nicht rechnet, während andere ihr wahres Gesicht zeigen.

Teil 2 der „Melderin“ kommt eher einem dystopischen Politthriller nahe, als den „typischen Young Adult-Stories“, welche in den letzten Jahren populär wurden. Dennoch bleibt „Dan“ ihrer Rolle treu und versucht, ihren Kampf auch in diesen Situationen fortzuführen.

Die Trilogie ist bereits geschrieben. Für wann ist die Veröffentlichung des zweiten und dritten Bandes angesetzt?

Wenn alles „normal“ läuft, erscheint Band 2 gegen Ende diesen Jahres. Band drei und ein SpinOff aus der Sicht zweier anderer Charaktere ist für Herbst/Winter 2020 geplant. Letztere beiden Bücher müssen nochmal komplett überarbeitet werden. An dem Feinschliff für Band 2 vor dem endgültigen Lektorat bin ich gerade am werkeln.

Welche weiteren Projekte von dir als Autor erwarten uns in absehbarer Zeit oder befinden sich gerade in der Entstehung?

Neben der „Melderin“ habe ich eine Dilogie im Bereich der Urban Fantasy geschrieben (Überschrift: „Die zehnte Generation“). Auch diese ist im Bereich Young Adult angesiedelt. Teil 2 davon befindet sich im Lektorat und wird voraussichtlich Juni/Juli 2019 erscheinen.

Momentan überarbeite ich Teil 2 der Melderin.

Mittlerweile habe ich eine weitere Geschichte begonnen, bei der ich im Genre noch nicht ganz sicher bin, wohin die Reise geht. Zurzeit schwebt mir ein Mix aus SciFi und Psychothriller vor, der in heutiger Zeit spielt. Doch wirklich fest ist da noch nichts.

Außerdem spuken zwei weitere Stories in meinem Kopf herum. Eine im Bereich Fantasy, welche aus der Vergangenheit heraus in die Gegenwart führt, einmal eine SciFi-Story, ebenfalls in heutiger Zeit, aber mit einer Paralleldimension.

– Über den Autor –

Vita:

1971 geboren, wuchs Michael G. Spitzer als Jüngster von drei Söhnen in einem Stadtteil am Rande seiner Heimatstadt Köln auf. Nach abgeschlossenem Abitur trat er 1990 seinen Hauptberuf als Polizist im Land Nordrhein-Westfalen an. Zu diesem Zeitpunkt war er schon begeisterter Stephen King-Fans doch auch die ersten dystopischen Romane landeten bereits in seinen Bücherregalen. Als Leser verschiedener Geschichten, die mittlerweile auch den Fantasy-Bereich umfassten, begann in seinen Gedanken die Idee heranzureifen, selbst einmal etwas zu schreiben. Umgesetzt hat Michael G. Spitzer dieses Vorhaben jedoch erst 2015, als sich die Geschichte um die dystopische „Melderin-Reihe“ entwickelte, welcher noch ein Spin-off aus Sicht zweier anderer Charaktere folgte. Mit Beendigung dieser Trilogie wurde ihm klar, dass das Schreiben seine Passion geworden ist. Der Melderin-Reihe folgte der erste von zwei Bänden der Urban-Fantasy-Geschichte „Die zehnte Generation“, welcher den Eintritt bei einem Verlag fand und damit den Weg zu Veröffentlichung seines Erstlings ebnete.

Bisherige Veröffentlichungen:

  • Zwei Welten: Die zehnte Generation I (September 2017), Hybrid Verlag
  • Die letzte Melderin: I. Die Nachfolge (September 2018), Hybrid Verlag

– Buchdaten –

Klappentext: Danielle war immer schon anders. In einer Stadt, in der blond und blauäugig das Ideal und auch den Großteil der Bevölkerung stellt, ist sie eine Außenseiterin. Diese geschützte Siedlung, nach mehreren verheerenden Kriegen vielleicht das letzte Refugium der Menschheit, birgt jedoch Gefahren und Geheimnisse. Gregor, ihr Ausbilder und Mitglied des Rates, weist sie immer tiefer in die Abgründe der Gesellschaft ein. Als er Dan in Kontakt mit der Untergrundorganisation „Die geöffneten Hände“ bringt, stellt sich ihr Leben komplett auf den Kopf. Im Wissen der Gefahr, die ihr und allen Andersartigen droht, sucht sie nach Möglichkeiten, den Lauf der Dinge zu ändern. Doch auch hier steht sie allein. Nicht einmal ihren Helfern kann Dan rückhaltlos vertrauen.

  • Erster Band einer Trilogie
  • Erschienen im Hybrid Verlag, www.hybridverlag.de
  • ISBN TB: 978-3946820376
  • Preis TB: 13,90 €
  • Seitenzahl TB: 340

Autoren-Foto: Mathias Blum, Exxpression

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