Rezension – „Die letzte Melderin: I. Die Nachfolge“

„Das Zuschlagen des Buches hallt im Raum. Ich kann nicht glauben, was ich da in der Hand halte. Ist es die Anleitung zu dem, was hier in der Siedlung geschieht?“ (S. 257)

Klappentext

Danielle war schon immer anders. In einer Stadt, in der blond und blauäugig das Ideal und auch den Großteil der Bevölkerung stellt, ist sie eine Außenseiterin. Diese geschützte Siedung, nach mehreren verheerenden Kriegen vielleicht das letzte Refugium der Menschheit, birgt jedoch Gefahren und Geheimnisse.

Gregor, ihr Ausbilder und Mitglied des Rates, weist sie immer tiefer in die Abgründe der Gesellschaft ein. Als er Dan in Kontakt mit der Untergrundorganisation „Die geöffneten Hände“ bringt, stellt sich ihr Leben komplett auf den Kopf.

Im Wissen der Gefahr, die ihr und allen Andersartigen droht, sucht sie nach Möglichkeiten, den Lauf der Dinge zu ändern. Doch auch hier steht sie allein. Nicht einmal ihren Helfern kann Dan rückhaltslos vertrauen.

Meine Meinung

Ich gestehe, dass „Die letzte Melderin: I. Die Nachfolge“ rein von ihrer Beschreibung keine Liebe auf den ersten Blick war. Die Ausgangssituation der Geschichte – von der Außenwelt isolierte Siedlung, hinter der mehr steckt, als die Insassen zu wissen glauben – ist nicht neu und wurde in den letzten Jahren in erfolgreichen Romanreihen wie etwa „Die Bestimmung“ (Veronika Roth) und „Die Auserwählten“ (James Dashner) behandelt. Von Klassikern wie „Logan’s Run“ ganz zu schweigen. Das Motiv der gemiedenen Außenseiterin, die anders aussieht, klang mir zu sehr nach einem abgegriffenen Klischee. Es waren online präsentierte Textschnipsel und einige Postings des Autors, die mich neugierig werden ließen und dem Buch eine Chance gaben. Wie man an meiner Bewertung sieht, wurde ich positiv überrascht.

Ob der Autor bewusst oder unbewusst mit den Erwartungen der Leser spielte, ist mir natürlich bekannt, aber die „Die Nachfolge“ hält mehr als eine Überraschung im Verlauf der Geschichte parat. Zwar beginnt der Roman wie eine typische Young-Adult-Dystopie, entwickelt jedoch schnell eine eigene Note, die auch stark politische und philosophische Färbungen beinhaltet. Zunächst erfährt der Leser nur wenig über die Siedlung, die Geheimorganisation der „geöffneten Hände“ und Danielles Rolle als Melderin. Stück für Stück kommt man (bzw. ‚Dan‘) einem Geheimnis nach dem anderen auf die Spur. Immer dann, wenn ich glaubte, zu ahnen, was als nächstes passieren würde, hielt der Autor für mich bzw. ‚Dan‘ eine Überraschung parat.

Neben den gelungenen Wendungen der Geschichte, sind es dann zwei Punkte, die eng miteinander verwoben sind, welche den Roman zu einem Pageturner machen: Die gefällige Schreibe des Autors und seine Protagonistin. Michael G. Spitzer hat sich für die Ich-Perspektive entschieden, daher bleibt man als Leser stets nah bei ‚Dan‘, ihren Gedanken und ihrem Kenntnisstand. Spitzer hat es nicht nur geschafft, Danielle als eine starke, junge Frau zu zeichnen, sondern vor allem als einen glaubwürdigen Charakter. Der Roman endet mit einem Knall und lässt mich gespannt zurück, wie es mit ihr in den Folgebänden weitergeht.

Abzüge gibt es nur marginal. Für meinen Geschmack hätte Gregor seine Schülerin noch einige Zeit über den Zweck ihrer Ausbildung bzw. seinen Plänen für sie im Unklaren lassen können. Im weiteren Verlauf des Romans gibt es für ‚Dan‘ auch ein Liebesdreieck, bei dem das Drama-Potential aber ungenutzt blieb und rückblickend etwas unnötig wirkt. (Aber wer weiß? Vielleicht wird das in den beiden Nachfolgern noch einmal aufgegriffen). Doch diese beiden Punkte fallen nicht wirklich ins Gewicht.

„Die Nachfolge“ ist ein mitreißend geschriebener Roman, der durch eine sympathische Protagonistin punktet und mit überraschenden Wendungen die Spannungsschraube konstant anzieht. Ein rundweg gelungener Auftakt, der unglaublich neugierig auf die Folgebände macht.

Buchdaten

  • Erschienen im Hybrid Verlag
  • ISBN TB: 978-3-94682037-6
  • Preis TB: 13,90 €
  • Seitenzahl TB: 335
  • Erster Band einer Trilogie

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