Rezension: „Trance“

Rezension: „Trance“

Zu den besten Büchern gehören diejenigen, die einen überraschen. „Trance – Als die Menschen vergaßen, zu leben“ der beiden Autorinnen Veronika Serwotka und Laura Schmolke gehört dazu. Ich habe im Wesentlichen eine gute Young-Adult-Dystopie erwartet – und ein erstaunlich tiefsinnigesWerk gelesen.

– Inhalt – 

Elysium erhält die Menschen ewig am Leben, doch der Preis dafür ist hoch: Das Vergessen. Kimberly lebt in der Unterwelt, in einer jener großen Städte unter dem Erdboden. Arbeiten, essen, schlafen – aus nichts anderem besteht ihr Leben. Ein Leben in Trance. Für sie wäre es wohl ewig weitergegangen, wäre nicht ein Toter in einem Wasserkanal angetrieben worden, der ein mysteriöses Tagebuch mit sich führt. Das Blättern in dem Tagebuch löst etwas in ihr aus, dass ihr die ersten Bruchstücke ihrer Vergangenheit offenbart. Ihr ganzes Leben wird auf den Kopf gestellt, als sie auf die Engel trifft, die ein Interesse an dem Mitschrieb haben. Ebenso wie Kimberly hatten sie einst ein Leben in Trance, sind erwacht und planen, die Regierung zu stürzen, um den Nachschub an Elysium zu unterbinden …

– Meine Meinung – 

Die Idee des ewigen Lebens wurde schon oft thematisiert, doch die beiden Autorinnen konfrontieren uns mit der Frage, wie es denn wirklich wäre, wenn das Leben nicht endet. Hat es überhaupt noch eine Bedeutung? Sind wir biologisch dafür geschaffen? Ist der Tod, so unangenehm dieses Thema auch für uns sein mag, nicht ein essentieller Bestandteil der Menschheit? – Philosophische Fragen, über die sich der Leser während seiner Reise mit Kimberly und den Engeln Gedanken macht.

Handlungstechnisch passiert nicht viel, mehr oder weniger nur die Reise von Punkt A nach Punkt B. Abgesehen von zwei, drei Stellen, die man hätte straffen können, schadet das aber nicht dem Lesevergnügen. Geschickt erhalten die Autorinnen die Spannung, indem sie nach und nach Geheimnisse aus Kimberleys Vergangenheit und dem mysteriösen Tagebuch offenbaren. 

Eine Besonderheit dieses ohnehin besonderen Werkes ist der Schreibstil der beiden Autorinnen.Oftmals in Lyrische gehend, schaffen sie mit ihren Worten eine melancholische Stimmung, die gemeinsam mit dem spannenden Aufbau dafür sorgt, dass „Trance“ ein Pageturner der ruhigen Sorte ist.

Das Finale ist dann auch so, wie es zu diesem Roman passt: Philosophisch, melancholisch, ein Stück hoffnungsvoll, unaufgeregt, überraschend und sehr passend. Der einzige kleine Wermutstropfen betrifft Kimberly. Es passt natürlich zu dem Roman, dass das große Drama ausbleibt, aber nach dem wirklich guten Vorbau hätte ich einen größeren Knall im Hinblick auf sie erwartet. 

– Fazit – 

„Trance“ ist eine außergewöhnliche Dystopie, die ob ihrer ruhigen und nachdenklichen Art vermutlich nicht jeden erreichen oder jedem gefallen wird. Für diejenigen, die sich auf ein ruhiges Werk einlassen und womöglich ein Faible für die klassische Sciencefiction in modernem Gewand haben, ist es ein Geheimtipp, dem ich trotz leichter Schwächen gerne 5 Sterne gebe und eine Leseempfehlung ausspreche. 

– Buchdaten – 

Klappentext:

Eine dystopische Welt, die kein Erbarmen zeigt.
Eine Regierung, die sich selbst betrügt.
Eine Frau, die die Zeit befreit.

Warum wir damals unter die Erde flüchten mussten, weiß heute niemand mehr. Wir besitzen nur noch Legenden – und unsere Existenz. Unsere Erinnerungen, unsere Identität, unsere Lebenslust tauschten wir gegen kleine weiße Tabletten ein. Ein Medikament, das sich Elysium nennt und zwar ewiges Leben verleiht, uns jedoch in eine Art Trance fallen ließ.

Doch als ich das Tagebuch finde, verändert sich für mich alles. Ich stelle wieder Fragen. Wer bin ich? Warum wollte ich vergessen? Wer tut uns all das hier an?
Ich heiße Kimberly. Und ich bin aus der Trance erwacht. 

Infos:

ISBN: 978-3-946843-23-8
Preis TB: 12,90 €
erschienen im Tagträumer Verlag
ebenfalls als E-Book erhältlich

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