Rezension – „Vollkommenheit“

„Vielleicht ist es genau das, womit die Menschheit seit ihrem Dasein ringt: Zweifel am Bestehenden, Zweifel am Menschen selbst“ 
– „Lebenszeit“, Anastasiya Maria

– Überblick – 

„Vollkommenheit“ ist eine 21 Kurzgeschichten umfassende Science-Fiction-Anthologie aus dem Hybrid Verlag, benannt nach dem Beitrag von Marcel Hartlage, die das Auswahlteam als beste Geschichte des vorangegangenen Ausschreibungs-Wettbewerbs gekürt hat.

Das umklammernde Thema der Sammlung lautet ‚Mensch 2.0‘. Die entworfenen Szenarien der Geschichten beschäftigen sich im Wesentlichen mit den Fragen welche technischen Möglichkeiten uns in Zukunft zur Verfügung stehen und welche Auswirkungen sie auf uns haben werden – als Gesellschaft wie auch als Lebensform.

Die Gedanken sind frei – „Das Geschenk des Nichtwissens“ von Franziska Klein stellt die Frage, wie es wohl wäre, wenn dieser Werbeslogan Realität würde und jeder Mensch die Gedanken aller anderen empfangen könnte. 

Bis zu welchem Grad sind ‚Upgrades‘ und Prothesen eine Verbesserung und ab wann verlieren wir das, was uns menschlich macht? – Diese Fragen stellt sich sowohl „Ich, Cy“ von Manuela Wunderlich als auch die titelgebende Geschichte „Vollkommenheit“ von Marcel Hartlage. Beide sind sehr unterschiedlich, weisen neben der Thematik aber eine Gemeinsamkeit auf: Die überraschende Auflösung ist ein Schlag in die Magengrube.

Kann durch Technik ein evolutionärer Sprung beschleunigt werden? Und wie wird sich das Verhältnis zwischen Übermenschen und dem Homo Sapiens gestalten? – Dem geht Leveret Pale in seinem zynischen Beitrag „Die finale Lösung der Menschenfrage“ nach. 

Es ist wohl dem Zeitgeist geschuldet, dass viele Geschichten der Sammlung von Zynismus und einer gewissen Hoffnungslosigkeit geprägt sind. Das es auch andere Möglichkeiten für den „Mensch 2.0“ gibt, zeigen die Geschichten „Sein unvergesslichster Tag“ von Reinhard Prahl und „Lebenszeit“ von Anastasiya Maria. Zwei Geschichten, die durch Ruhe, Nachdenklichkeit und Emotionalität punkten. 

Die Gesamtbewertung einer Anthologie ist immer schwierig, da bei der stilistischen Bandbreite nicht jeder Schreiberling den persönlichen Geschmack gleichermaßen treffen kann. Insgesamt hat mir „Vollkommenheit“ aber durchgängig gut gefallen. Den oben aufgeführten Geschichten habe ich die Höchstnote gegeben, dem gegenüber steht nur ein Totalausfall. Das Gros der Beiträge habe ich mit drei bis vier Sternen bewertet.

Die Sammlung selbst ist schön aufgemacht, weist im Seitenlayout eine angenehme Schriftgröße und Schriftbild auf – wer die (ganz) alten Heyne Anthologien noch kennt, wird das umso mehr schätzen – und auch Cover und Buchumschlag wissen zu gefallen.

– Fazit –

„Vollkommenheit“ ist eine insgesamt gute Sammlung, mit der man als Liebhaber von SF-Kurzgeschichten seinen Spaß haben und so manch neue Stimme entdecken kann. Vier Sterne.

– Buchdaten –

Klappentext: Wie wird der Mensch der Zukunft aussehen? Werden wir uns selbst überflügeln? Oder stehen wir vor einer evolutionären Sackgasse? 21 Autoren stellen in dieser Anthologie ihre spannenden, actionreichen, schockierenden und nachdenklich machenden Zukunftsentwürfe vor. Ob die Menschheit dabei in strahlendem Glanz erscheint oder kurz vor dem Untergang steht: Das Abenteuer Mensch 2.0 könnte faszinierender nicht sein.

Mit Beiträgen von: Annette Böhler * Franziska Klein * Marcel Hartlage * Renée Engel * Manuela Wunderlich * Liliana Wilding * Monika Lörchner * Leveret Pale * Symone Hengy * Tea Loewe * Reinhard Prahl * Engelbert Gottschalk * Misan Th. Rop * Veith Kanoder-Brunnel * Robert Boehm * Achim Stößer * Lea Sager * Matt Pastore * Anastasiya Maria * Julia Kersebaum * Thomas Bilicki

Erschienen im Hybrid Verlag
ISBN TB: 9783946820475
Seitenzahl TB: 392
Preis TB: 13,90 €
Preis E-Book: 4,99 €

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